Unser bisheriges Leben
Als frisch verliebtes Pärchen haben wir vom guten Mittelstand geträumt und darauf in großen Schritten hingearbeitet.
2011 hatten wir eine klassische Hochzeit und Flitterwochen in Thailand, wo wir das erste Mal richtig Freiheit geschnuppert haben. Wir haben beschlossen, wiederzukommen.
Zuerst waren da noch andere Träume die auf den Augenblick gewartet hatten
Bald darauf kam das Haus, unser Hund und die Kinder. Ein gewünschtes Studium wurde abgeschlossen, die Karriereleiter erklommen und sich so einige Boni, die das Leben schöner machen, gegönnt.
Mit 35 stehen wir mitten im Leben und haben die gesetzten Ziele erreicht
Wir verbringen viel Zeit mit unseren lieben Freunden und unserer Familie, leben von einem Wochenende zum nächsten und genießen die seltenen warmen Tage hier im Norden.
Zu unseren Hobbys gehört nun immer intensiver das Laufen. Wir trainieren mit Freunden und Familie für Hindernis- und Marathonläufe und es entwickelt sich ein total schönes Gemeinschaftsgefühl. Der Sport verleiht uns den Kick, macht uns stark und hält uns jung.

Urbanathlon 

Strongman
Und nun? Das kann doch nicht alles gewesen sein?
Es ist alles gut momentan. Aber irgendwie ist gut nicht gut genug.
Mit den Jahren ähneln sich die Tage immer mehr und es verändert sich nicht viel. Kurz ist die Idee da, vielleicht etwas Geld anzusparen, statt es ständig auszugeben. Aber dafür lieben wir das Leben jetzt viel zu sehr. Wir schieben Möbel, wechseln die Autos, fangen an, Zeug zu kaufen und zu stapeln.
STOPP! Etwas fühl sich innerlich falsch an
Das spürt Waldemar genauso wie ich. Einmal kurz innehalten. Irgendwas stimmt nicht. Wir haben alles und sind irgendwie nicht zufrieden. Stimmt was nicht mit uns? Wir wollten doch dieses Leben, oder doch nicht? Unsere Sammlung an Hörbüchern besteht aus Sachbüchern der Psychologie, Pädagogik und Spiritualität.
Wir wollen mehr, das steht fest. Das geht aber wegen unseren kleinen Mädels nicht… so dachten wir mal.
Das Leben ist ein Strategiespiel
Und wir haben nur eine Spielfigur mit etwa 80 Jahren Spieldauer. Aber wohin soll unser nächster Zug gehen? So viele Ideen schwirren uns im Kopf. Veränderung im Job, Selbstständigkeit, Umzug in den Süden. Aber ist das wirklich das, was wir wollen? Hilfe, wir wissen es nicht!
Um zu erfahren, was wir wirklich wollen, haben wir unausgesprochen verstanden, dass jeder sich selbst dieser Frage stellen muss.
Der Jakobsweg
Für längere Zeit aus dem Hamsterrad entfliehen, Zeit haben, in sich reinzuhorchen. Als Läuferin und Wanderin wollte ich gewohnte Strecke machen. Das war mir bislang die einfachste Methode, bei mir selbst anzukommen. So bietet sich der Camino Frances für mich und meine Hündin einfach an. Waldemar wusste erst nicht, was er davon halten sollte. Die Äste unserer Beziehung sind nach vielen glücklichen Jahren dick und tragend. Trotzdem brauchte er ein paar Tage Bedenkzeit bis er sich von der Idee überzeugen ließ. Schon bei meinen Vorbereitungen hat er beschlossen, etwas Ähnliches zu tun. Einen Monat lang sind Fiona und ich also zusammen von der französischen Grenze über 700 km durch Spanien gepilgert. Auf diesem Weg habe ich so einige meiner gedanklichen Blockaden gelöst und auch einige Masken und Vorurteile in die Tonne geschmissen. Mein Ballast war mit jedem Tag spürbar leichter. Dafür habe ich auf diesem Weg meinen größten Schatz gefunden. Ich habe meine beste Freundin kennen und lieben gelernt – mich selbst. Wir kamen mit leuchtenden Augen wieder und ich wusste, nichts würde so bleiben wie bisher.
Wanderung in Georgien
Ein halbes Jahr später stieg Waldemar mit seinem Rucksack in den Flieger Richtung Georgien. Dieses Land hat alles, was Waldemar so liebt: Berge, raue und verlassene Natur, gute Küche, nette Menschen, wenige Touristen und die russische Sprache. Er passierte in den Bergen von Swanetien einen Pass nach dem anderen. Er fand sich in den ungewöhnlichsten Situationen wieder, lernte die nettesten Menschen kennen und verliebte sich in das kleine Land, welches so groß ist wie das Bundesland Bayern. Einen Monat später schloss mich Waldemar am Flughafen HH wieder in seine Arme. In seinen Augen sah ich dieses mir so bekannte Funkeln. Wir mussten uns nichts sagen, es war uns beiden alles so glasklar.
Die Zukunft auf Papier gebracht
Waldemar ist schon irgendwie „Hellseher“ von Beruf aus. Seine Aufgabe ist es abzuwägen, abzuzählen und Strategien aufzubauen. So haben wir ein Brainstorming in der Küche veranstaltet. Zusammen haben wir vier verschiedene Lebensvarianten aufgestellt und so realistisch wie möglich prophezeit, was in 10 Jahren mit uns passieren könnte:
1. Wenn wir nichts verändern
2. Wenn wir in die Nähe unserer geliebten Alpen ziehen
3. Wenn wir uns selbstständig machen
4. Wenn wir eine Weltwanderung machen
Wir haben alle Vor- und Nachteile aufgelistet, die uns einfielen. Haben Varianten im Kopf durchgespielt, was wir danach machen könnten und ob es aus jeder dieser Situationen einen Weg zurück gibt, wenn wir oder unsere Kinder es wollen.
Raus aus der Seifenblase
Unser Bedürfnis, uns von der jetzigen Gesellschaft und Umgebung zu lösen, andere Kulturen und Mentalitäten anzunehmen, viel bewusste Zeit mit unseren Kindern zu verbringen und uns selbst zu verändern, überwog alle anderen Varianten.
Die Weltwanderung war nun schlussendlich der Gewinner. Aber wie?
Es kam nie in Frage, unsere Hündin für so lange Zeit im Stich zu lassen. Sie ist ein Familienmitglied und unser erstes Kind. Als Familie brauchen wir ein Zuhause und wollen gerne selbst frei entscheiden, wo und wann wir weiterreisen. So entschieden wir uns für den Landweg. Wir haben uns monatelang über Vanlife informiert und lassen uns nun auf dieses Experiment ein.

















